Wittenberg 2017

Weg der Versöhnung

Meine Reise zum Katholikentag 2018
in Münster

Philippa Prinzessin zu Salm-Salm

flexible

Michael Prinz zu Salm-Salm und Philippa Prinzession zu Salm-Salm

Die Vorgeschichte


Im Jahr 2007 gab es einen Versöhnungsbesuch zwischen Mennoniten und Amischen, ausgehend von der Stiftung Schleife in der Schweiz, initiiert von Lilo und Geri Keller sowie von Christoph und Uta Häselbarth.

Mein Vater, Fürst Albrecht Castell, schrieb damals dazu: „In der vergangenen Woche haben meine Frau und ich in Münster an einer Begegnungskonferenz von christlichen Leitern aus Deutschland und der Schweiz mit Leitern amischer und mennonitischer Gemeinden aus USA teilgenommen. Unser gemeinsamer Wunsch und Wille war es, Wege der Versöhnung zur Einheit zu bedenken, zu beraten und zu finden. So haben wir miteinander gebetet, im Lobpreis den Herren aller Kirchen angebetet und im Austausch gespürt, dass der Heilige Geist uns zusammengeführt hat.“

Beim Treffen der Initiative Wittenberg 2017 in Wittenberg im November 2017 trafen mein Mann Michael und ich (Tochter von Albrecht Fürst Castell) Lloyd Hoover, Keith Blank und Charles Ness von den Mennoniten und Ben Girod und seine Söhne Steven und Benjamin von den Amischen wieder. Im Februar unternahmen wir eine Reise in die USA und besuchten anschließend die beiden Familien von Ben Girod in Montana und von Lloyd Hoover in Philadelphia.

Diese Freundschaft baute sich auf und sie fragten uns ob wir sie begleiten könnten auf den Katholikentag im Mai in Münster. Dorthin waren sie eingeladen um unter dem Motto „Frieden und Heilung der Erinnerung“ teilzunehmen.

Wir holten sie am 8. Mai in Frankfurt ab und luden sie in unser Schloss nach Walhausen ein. Es waren acht Männer gekommen. Im Gebet bereiteten sie sich auf die Tage in Münster vor. Wir zeigten ihnen unsere schöne Heimat und teilten miteinander unsere Glaubenserfahrungen. Ihr waches Interesse an unserer Geschichte und unserer gemischt-konfessionellen Ehe ergab tiefe und gute Gespräche.

Die Hierarchie im Adel interessierte sie besonders. Im geistlichen Leben sprechen wir von den Kindern Gottes als Königskindern. Diese Erfahrung fehlt ihnen in den USA, es gibt dort ja keinen Adel. So haben sie Schwierigkeiten sich diese göttliche Hierarchie vorzustellen. Ein interessanter Aspekt für unsere Geschichte!

Die Reise nach Münster und die Tage dort


Die Türen öffneten sich zur rechten Zeit. Die Unterbringung in Schloss Vorhelm vor den Toren von Münster war vorbereitet. Meine Cousine hatte genau vier Doppelzimmer bereit gehalten für Gäste des Katholikentags. Nachdem ihr von der Organisation keine Gäste genannt wurden, konnten wir diese Lücke füllen.

Herzliche Gastfreundschaft, Lobpreis in der Hauskapelle, Porträts an der Wand von Franz von Waldeck, dem Bischof von Münster zur Zeit der Täufer und dem damaligen General Merveldt, die genaue Geschichtskenntnis des Hausherren Wilderich Graf Schall, all das waren die beste Vorbereitung durch eine tief katholische Familie – ein segensreicher Beginn der Tage in Münster.

Bei unserem Besuch in Philadelphia fiel mir bei einem Treffen mit vier mennonitischen Bischöfen und beim gemeinsamen Gebet aufs Herz, dass diese Versöhnungsreise nicht nur eine große Gelegenheit der Versöhnung zwischen der katholischen Kirche und unseren Gästen ist, sondern auch ganz konkret eine Versöhnung mit den Nachkommen der Familien, die vor 500 Jahren im Münsterland Verantwortung getragen haben. Diese Nachfahren leben noch und tragen
dieselben Namen wie früher. Die Geschichte und die Geschichten rund um die Herrschaft der Täufer in Münster sind dort noch sehr lebendig.

Ein Empfang fand im Drostenhof in Wolbeck bei Familie Merveldt statt, um sich persönlich kennen zu lernen. Historischer Boden – denn dort stand die Burg des Bischofs Franz von Waldeck.

Bei köstlicher Suppe und einem Glas Wein lernten wir einander besser kennen. Danach erklärten Lloyd Hoover und Ben Girod ihr Anliegen und sprachen eine Vergebungsbitte aus, als Nachfahren der Täufer in Münster, gegenüber den Familien die vor 500 Jahren Verantwortung getragen haben für die Niederwerfung der Täuferherrschaft in Münster.

Wir – d.h. evangelische und katholische Geschwister – sprachen ihnen Vergebung zu, ein Gnadenakt und sehr befreiend für die Nachfahren der Täufer.

Ein vollmächtiger Segen für die Familien, gesprochen von Steve Weaver, dem mennonitischen Bischof, rundete diese großartige und bewegende Zeit ab.

Am Freitag den 12.Mai fuhren wir nach köstlichem Frühstück nach Münster. Im Regierungsgebäude war eine Podiumsdiskussion angesetzt. Der Saal war voll, das Thema fand großes Interesse. Es gab dort eine gute historische Zusammenfassung, eine wissenschaftliche und theologische Aufarbeitung.

Prof. Dr. Lutterbach, ein katholischer Theologe, begann zu erzählen, dass er am Abend vorher – bei unserm Empfang in Wolbeck – etwas Erstaunliches erlebt hätte, nämlich dass Nachfahren der Täufer die Nachfahren von adeligen Familien um Vergebung gebeten hätten und die adeligen Nachfahren diese Vergebung angenommen hätten. So etwas hätte er noch nie erlebt, denn er vertritt eher die wissenschaftliche und theologischen Seite.

Danach ging es gleich weiter in der Lambertikirche. Dort hängen noch immer die Käfige, in denen die Leichen der Anführer der Täufer den Raben zum Fraß vorgesetzt worden waren. In Münster wird davon bei jeder Stadtführung berichtet und die Geschichte ist in der Bevölkerung sehr präsent.

Die Kirche ist groß und war voll Besucher. Der katholische Stadtdechant, der lutherische Superintendent und drei Mennoniten standen der Liturgie über Schuldbekenntnis und der Vergebung Gottes vor. Denn es geht in erster Linie darum, den Schmerz Gottes zu erspüren, was wir Christen IHM angetan haben. Auch die Bitte um Heilung der Erinnerung war wichtig. Es war sehr berührend.

Der Vorfahre von Ferdinand Merveldt vor 500 Jahren war der militärische General, der gegen die Täufer gekämpft hatte. Jetzt, 2018, lud der Nachfahre des Generals die Täufernachfahren zum Abendessen ein und begleitete sie den ganzen Tag über.

So bin ich dankbar, dass mein Gebetseindruck im Februar in Philadelphia beim Besuch der Mennoniten Wirklichkeit geworden ist und diese Reise nicht nur für die Versöhnung zwischen der Katholischen Kirche und den Täufernachfahren wichtig war, sondern auch etwas bewegen konnte in den Herzen der adeligen Familien in Münster.

Diese Reise, diese Versöhnung, diese persönlichen Begegnungen, sind eine direkte Frucht des Treffens der Initiative Wittenberg 2017. Wir konnten so konkret miterleben, wie der Heilige Geist etwas vorbereitet hat und wie Gott Herzen einander zuwandte. So kann der Leib Christi geheilt werden zur Ehre Gottes.

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